Ubuntu und das liebe Geld

„Wir brauchen das Geld.“
Ottmar Hitzfeld (damaliger Bayern-Trainer, auf die Frage, warum die Talente Götkan und Bugera abgegeben wurden)

Die TSG 1899 Hoffenheim und Ubuntu haben erstaunliche Gemeinsamkeiten. Beide sind, als Beispiel, in ihrem Bereich sehr erfolgreich. Beide stammen aus der Retorte. Und beide haben einen reichen Mäzen der auf langfristigen Gewinn hofft. Aber hier hören die Gemeinsamkeiten auch schon wieder auf. Denn, während die TSG mittlerweile Gewinn erwirtschaftet (oder zumindest seine Verluste deutlich minimiert), dürften größere Einnahmen bei Ubuntu Fehlanzeige sein.
Dafür hat Canonical, die Firma hinter Ubuntu, Ausgaben. Und zwar nicht zu knapp: Da wären die Repository-Server, der Ship-It-Dienst, UbuntuOne, das ja 2 Gigabyte gratis anbieten und seit 9.10 standardmäßig installiert werden wird, Launchpad.net und natürlich die Canonical-Angestellten. All dies kostet Geld.

Fussballfans grüßen die TSG

Woher nehmen, wenn nicht stehlen

Canonical muss irgendwie Gewinn erwirtschaften, denn ewig wird Citizen Shuttleworth nicht Ubuntu finanzieren können (oder wollen). Im ersten Versuch wollte man es dem Branchenprimus Red Hat nachmachen und mit Support Geld verdienen. Ausgestattet mit dem selbst erschaffenen Image des Windows Herrausforderers setzte Canonical, im Gegensatz zu Red Hat, auf die Endverbraucher. Es zeigte sich aber, dass die Endverbraucher die laufenden Kosten eines Supportvertrags scheuen und lieber auf helfende (und kostenlose) Hände aus der Community vertrauen. Canonical hätte auch hier von Red Hat lernen können. Red Hat hatte kurz vor dem 1. Ubuntu-Release, ihren Endkundensupport wegen mangelnden Erfolgs eingestellt und das Gemeinschaftsprojekt Fedora gegründet.

Ein neuer Versuch

Also muss eine andere Geldquelle aufgetan werden. Da erschienen die positiven Gewinnmeldungen von Apple wie ein Hoffnungsschimmer, denn Apple hatte mit den Lizenzen für den eigenen Appstore gutes Geld verdient.Und was lag da näher als eine große Stärke von Linux, die Paketverwaltung, auch für Bezahlsoftware zu öffnen? Damit hätte man einen eigenen Appstore á la Apple. Die Tester von 9.10 „Karmic Koala“ können ein Blick auf Canonicals Pläne werfen: 9.10 installiert standardmäßig ein Paket namens „Software Store“. Damit wird die grundlegende Infrastruktur für einen Appstore geschaffen.
Allerdings hat Canonical den Store, nach sehr laut geäußerten Bedenken aus der Community, flugs in „Software Center“ umbenannt. Es bleibt also abzuwarten, wer sich am Ende durchsetzen wird: Canonical oder der idealistischere Teil der Community.

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