Ein Koala ohne gutes Karma

„The same procedure as last year, Miss Sophie?“
„The same procedure as every year, James!“
Dinner For One

Ubuntu hat ein neues Release, Karmic Koala, und wer die deutsche Ubuntu-Community kennt, weiß wie diese reagierte. In einer so innovationsfreudigen Gemeinschaft, wie der Open-Source-Community, wären Reaktionen á la „Wow!“ oder „Das sieht ja toll aus! Gleich mal testen!!!“ normal. Das letzte große KDE Release hat gezeigt, wie eine gesunde Gemeinschaft reagiert: Mit Freude, Danksagungen an die Entwickler und Werbung via Internet machen.

Verkehrte Welt: ubuntuusers.de

Nicht so die deutschsprachige Community auf ubuntuusers.de. Dort wird gemault und gemeckert und ein unfertiges Produkt bemängelt.
Allein schon der Ausdruck „unfertges Produkt“ zeigt, dass einem (lautem) Teil der uu.de Community das tiefere Verständnis von Open Source (und/oder freier Software) abhanden gekommen ist. Ein Merkmal der Open-Source-Entwicklungsmethodik ist, dass solcher Art Software selten einfach nur „fertig“ ist. Das gilt auch für Ubuntu 9.10 „Karmic Koala“. Und die Probleme, die der Koala hat, sind den Entwicklern bekannt. Die schrieben sie in die Release Notes. Damit hätten diese Informationen auch die User von ubuntuusers.de erreichen sollen. Nur wenn Benutzer nicht lesen, was sie lesen sollten, passiert meistens etwas sehr dummes.

Wer ohne Sünde ist…

Doch wessen Schuld ist es wirklich, dass 9.10 nicht so gut funktioniert, wie es sollte? Die Antwort ist erschreckend einfach: Deine, lieber Ubuntu Benutzer! 9.10 war nicht in der alpha-, beta- und RC-Version verfügbar, weil es so besonders cool ist eine Ubuntu-Version vor dem Release zu haben, sondern damit man es testen kann. Und testen heißt: Funktionen nutzen und die auftauchenden Fehler melden und/oder selbst fixen, so man kann. Wenn der Koala wirklich so verbuggt ist, wie es den anschein hat, dann zeigt das nur eines: Es wurde nicht genug getestet.

Und ein ehernes Gesetz der Basaar-Methode lautet:

6. Die Anwender als Mit-Entwickler zu sehen ist der Weg zu schnellen Verbesserungen und Fehlerbehebungen, der die geringsten Umstände macht.“

Oder anders ausgedrückt: Wenn ein Benutzer von Ubuntu behauptet, dass die Entwickler die Version 9.10 halbfertig (was auch immer das sein soll) auf den Markt geschmissen haben, dann macht eben dieser Benutzer auf die eigenen Versäumnisse aufmerksam. Dieser Benutzer hat sich nicht für ein Bug-fixing stark gemacht. Dieser Benutzer hat den Hauptentwicklern nicht vorgeschlagen, das Release zu verschieben. Nein, dieser Benutzer hat gar nichts gemacht. Nur gemeckert, das hat dieser Benutzer. Aber das ist, näher betrachtet, ungefähr genauso clever wie gegen den Wind zu pinkeln.

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