Jabber, die Verbreitung und ein zerschlagenes Omelett

Zeroathome arbeitet an einer Art Entscheidungshilfe für XMPP-Neulinge. Er nennt es Tutorial. Ziel dieser Geschichte ist es, Neueinsteigern bei der Entscheidungen, die anstehen, hilfreich zur Seite zu stehen. Diese Tutorial ist noch in einem sehr frühen Stadium, aber dank der Blogeinträge lässt sich schon erahnen, wie es werden soll. Dieses leider noch namenlose Etwas hat natürlich nicht nur die Aufgabe, XMPP-Neulingen zu helfen, sondern damit und im gleichen Atemzug die Verbreitung von XMPP zu fördern. Die Idee ist gut. Wenn das mit dem selben Eifer weitergeht, wird das Projekt sicherlich auch sehr schön. Das Mockup lässt das jedenfalls vermuten.
Das Problem hierbei ist nicht das Portal. Es ist auch nicht die Umsetzung. Es ist der Grundgedanke. Denn wie kommt denn ein potenzieller XMPP-Benutzer zu XMPP? Der chattet ja nicht über ICQ (Die Buchstabenkombination bitte als Synonym verstehen.) und kommt bei der Gelegenheit auf die Idee das Protokoll zu wechseln. Wenn dem so wäre, wäre dieses Portal die perfekte Lösung und man müsste alle XMPP-Benutzer schlagen, weil die nicht schon früher auf so eine Idee gekommen sind. Zusätzlich dürfte zeroathome als Columbus des XMP-Protokolls bekannt werden.
Aber so ist die Realität nicht. Gehen wir mal von dem Beispiel, das zeroathome beschriebt aus:

„Ich empfehle einem Freund (Otto-Normal-Surfer) doch mal Jabber zu versuchen, ohne ihm weitere Hilfestellung zu geben. Das erste was er tun wird ist Google anwerfen und nach Jabber suchen.” – Quelle: zeroathome

Genau hier liegt der Hund begraben. Joe Random User wird eben nicht Google anschmeißen. Er wird denjenigen nach XMPP fragen, von dem er den Hinweis hat. Ist der Hinweisgeber nicht bereit mehr Informationen raus zugeben, ist die Sache für Joe erledigt. Schließlich will nicht Mr. User etwas von dem XMPP-Promoter sondern der Promoter von Mr. User. Joe ist zufrieden mit ICQ. Er will gar nicht auf Teufel komm raus wechseln. Es funktioniert. Das ist es, was zählt. Nur nicht dran rumfummeln, nachher passiert der Super-GAU und nichts funktioniert mehr. So oder so ähnlich.
Die Schlussfolgerung ist einfach: Wer die Verbreitung von XMPP/Jabber fördern will, muss direkt an die Benutzer herantreten. Ein Web-Portal jedweder Art ist nicht der richtige Weg, wenn man mehr als 2 Menschen erreichen will. Web-Portale erfordern Eigeninitiative. Und Joe Random User ist nicht geneigt, diese aufzubringen. Traurig, aber wahr;
Okay, man müsste also direkte Konfrontation mit dem zukünftigen XMPP-Benutzer suchen. Wenn man Joe Random User dazu bekommen hat, dass er potenziell XMPP zumindest gemeinsam mit ICQ benutzen möchte, darf man hier nicht aufhören. Meist sind einem der User ja bekannt, man kennt ihn und zumindest ansatzweise das System. Hier kann man anfangen und den zukünftigen XMPPler beraten. Denn es sind ja nicht nur Client-Software und System relevant, sondern auch Punkte wie die Wahl des Servers. Hier kann der erfahrenen XMPP-Benutzer dem Neuling nicht nur wertvolle Tipps geben, sondern gleich den passenden Server suchen. So müsste das aber auch kommuniziert werden. Der zukünftige Jabber-Neuling muss das Gefühl bekommen, dass die Wahl der Servers, des Clients, des Nicks und anderen Dingen seine maßgeschneiderte Instantmessanger-Lösung ist. Das erfordert natürlich Know-How: Welche Server gibt es? Welche sind stabil? Welche Server bieten welchen Service (Transporte, PubSub, Wetter-Dienst, Jabber-Disk, etc.)? Was kann welcher Client auf welchen System (Pidgin unter Windows ist als Beispiel funktionsärmer als unter Linux)? Und fast noch am wichtigsten: Was für eine Art von Benutzer? PSI mag ein wundervoller Jabber-Client sein, ist aber für manche schlicht zu hässlich.
Das alles erfordert jede Menge Wissen. Und das muss auch noch ständig aktuell gehalten werden. Das ist mühselig und wahrscheinlich nur etwas für echte Enthusiasten. Wer das nicht will oder kann, der sollte dann den Weg der sanften Gewalt gehen: Eine Mitteilung an alle nicht-XMPP-Kontakte, dass man nur noch über XMPP chattet und anschließend alle Protokolle, die nicht mit X anfangen und mit MPP aufhören, deaktivieren. Auf diese Weise dürften einige Kontakte verloren gehen, aber wenn sich zu diesem Schritt entschieden hat, muss man damit leben. Man kann schließlich kein Omelett zubereiten, ohne Eier zu zerschlagen.

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Ein Gedanke zu „Jabber, die Verbreitung und ein zerschlagenes Omelett

  1. Das so ein Portal natürlich nicht der letzte Schluß ist, ist schon klar. Soll es aber auch nicht sein. Jabber der Allgemeinheit zuzuführen ist/wird ein langwieriger Prozeß, der in kleinen Schritten begangen werden muss. Parallelen dazu sehe ich in der Verbreitung von alternativen Bowsern wie Firefox etc. oder alternativen Betriebsystemen wie Linux oder MacOSX.

    Mir geht es hier nicht um ein Allheilmittel (wie zum Beispiel wenn die Tagesschau sagt das der Internet Explorer scheiße ist ;) ) sondern eben um einen kleinen Schritt in die für mich richtige Richtung. Hin zu einer dezentralen, freien, unzensierbaren, sicheren Kommunikationsplattform…
    Ziel ist es die Einstiegshürde herabzusenken. Denn die ist im Moment definitiv zu hoch, da dürfte man sich einig sein.

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