Like a rolling stone oder Welche Distribution rollt wie gut?

Ohne Abweichung von der Norm ist Fortschritt nicht möglich.
Frank Zappa

Ubuntu als Rolling-Release-Distribution? Wie kommt man auf solche Ideen? Und was zum Henker ist überhaupt eine Rolling-Release-Distribution? Okay, fangen wir hinten an!
Eine Distribution mit Rolling-Release hat keine festen Versionen, sondern aktualisiert das System kontinuierlich, so dass es (theoretisch) immer auf dem neuesten Stand ist. Der Anwender spart sich somit, als Beispiel, das Upgrade von Ubuntu 10.04 auf Ubuntu 10.10. Allerdings muss er nun mehr drauf achten, welche Updates er wirklich installiert, denn bei einem Rolling-Release sind die verschiedenen Pakete selten gut aufeinander abgestimmt.
Und letzteres ist genau der Grund, warum man sich bei Ubuntu von Anfang an gegen ein Rolling-Release ausgesprochen hat.

Nicht immer läuft ein Update glatt

Wenn allerdings ein Nachrichtenportal wie der Register eine zweideutige Überschrift aus einer mittelprächtigen Aussage Mark Shuttleworths macht, dann, ja dann, hat die Linux-Community mal wieder etwas zu diskutieren. Da mittlerweile auch die letzten Diskussionen im sterben liegen, nutzen wir die Gelegenheit, um uns die vermeintlich großen Distributionen und ihre Roll-Fähigkeit anzusehen. Unterteilt wird Pi * Daumen * Fensterkreuz in 3 Kategorien: ‚Nur Berg ab‘ und ‚auf flacher Ebene‘ und ‚auch Berg auf‘. Übersetzung für die ganz Langsamen unter uns: ’schlecht‘, ‚mittelmäßig‘ und ‚gut‘. Diese Liste erhebt natürlich keinerlei Anspruch auf Korrektheit oder Vollständigkeit. Aber wenn es euch Spaß macht, dürft ihr euch gerne woanders beschweren. Los geht’s:

Ubuntu

Fangen wir mit dem Auslöser an. Ubuntu erscheint im Standard alle halbe Jahr. Alle 2 Jahre wird ein normales Release als sog. „Long Term Support“ (LTS) ausgegeben. Die Pakete eines Releases bekommen nur Security-Patches, aber keine Updates. Zwischen den einzelnen Ubuntu-Versionen gibt es die Möglichkeit das zukünftige Release zu testen. Allerdings ist man mit dem offiziellen Erscheinen sofort wieder im stabilen Zweig von Ubuntu.
Rollfähigkeit: nicht mal Berg ab. Geworfen vielleicht noch…

openSUSE

Novells (oder Attachmates, zum Zeitpunkt dieses Eintrags ist die Zukunft von openSUSE noch ungewiss) Community-Distribution scheint einen sehr ähnlich Weg zu gehen, wie Ubuntu. Dem Autor fehlte aber bis heute die Motivation und die Zeit openSUSEs Testversionen in irgendeiner Form zu testen.
Rollfähigkeit: ungewiss, wahrscheinlich keine

debian

Trotz (oder gerade wegen?) böser Vorurteile in Bezug auf die Geschwindigkeit der Veröffentlichungen („Even hell freezes faster“) gibt es bei debian durchaus Rollfähigkeiten. Zwar nur in den beiden Entwicklungszweigen, dafür aber umso besser. Es gibt debian als testing mit schonmal angetesteten Paketen und nicht ganz so gefährlich bei den täglich Updates und es gibt Sid. Bei Sid bekommt man den (nahezu) unmodifizierten Upstream ab. Wer hier nicht aufpasst, ruiniert sich ganz sicher sein System. Eine leichtere Administrierbarkeit von Sid hat sich das Sidux-Projekt zu Aufgabe gemacht.
Rollfähigkeit (stable): Alles fest genietet, hier rollt nix.
Rollfähigkeit (testing): auf flacher Ebene mit leichter Steigung
Rollfähigkeit (sid/Sidux): mit Mach 3 den Berg rauf. Mit Sidux nur noch Mach 1

Manchmal muss man doch Hand anlegen

Fedora

Ähnlich wie debian gibt Fedora in mehreren Geschmacksrichtungen in Bezug auf die Rollfähigkeit. Das Standard-Fedora erscheint halbjährlich. Neue Versionen eines Paketes können nachgereicht werden, allerdings sind die Paketierer seit der Version 14 angehalten keine Major-Updates mehr in stabile Versionen einzupflegen. Ob die sich daran halten werden, bleibt abzuwarten.
Rollfähigkeit: Nur mit einem starken Schubs und nur wenn es steil Berg ab geht.
Anders hingegen ist der Entwicklungszweig von Fedora, auch bekannt als Rawhide. Der Name ist Programm: Hier ist alles ungegerbt bzw. ungetestet und teilweise direkt aus dem Upstream und da Fedora Red Hats Kind ist, darf/kann sich jeder vorstellen, was bei Rawhide manchmal so los ist.
Rollfähigkeit: Wie debian sid! ‚Bring deinen eigenen Schleudersitz mit‘ ist angesagt.

Die Klassiker – Gentoo und Arch

Diese Beiden sind per Definition Rolling-Release und rollen dementsprechend gut bis super. Gerade Arch Linux steht in dem Ruf immer das neueste an Software zu liefern. Aber seien wir ehrlich: Bei einer Distribution die standardmäßig rollt ein Rolling Release zu verwenden, ist doch eher was für Weicheier. Eine Herausforderung wäre vielleicht regelmäßige stabile Releases zu machen. Das ist dann aber eher was für einen kleinen Freundeskreis als für eine Einzelperson. Vielleicht als Projekt der örtlichen LUG?

Soweit der recht kleine Abriss über die Rollfähigkeit der Major-Distributionen. Im Prinzip ist alles dabei, was das Herz begehrt: Von festen Release-Zyklen bis hin zum bleeding edge Rolling-Release. Man muss nur wissen wo…

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Foward ever, backward never!

„„Adduktoren“ … Wenn ich sowas schon höre! „Adduktoren!“ Sowas gab es bei uns noch gar nicht. Die wurden erst nach meiner Zeit erfunden.“
Max Lorenz (ehemaliger Fussballspieler bei Werder Bremen)

Am 17. November erschien die neue Version von Fedora. Die Version hört auf den Codenamen „Constantine“ und trägt die Nummer 12. Die Community hat viel und schwer gearbeitet, Weiterlesen